Letztes Update: 02. Januar 2026
Der Artikel stellt Wenzels neues Album König von Honolulu vor, analysiert Texte, Arrangements und Produktion und liefert eine kritische Einordnung. Zentral sind Humor, Melancholie und handwerklich starke Liedkunst; Empfehlungen zu Highlights und Zielpublikum runden die Kritik ab.
Dieses Album kommt wie ein Sturm und bleibt wie ein Sprichwort. Es läuft, spottet, tröstet und bohrt. Sie hören zu und erkennen vieles wieder. Und Sie wundern sich doch über das Fremde in diesen vertrauten Tönen. Wenzel König von Honolulu verbindet Witz, Wut und Wärme. Es ist eine Platte für Herz und Hirn, für Kopf und Knie. Sie will Sie zum Denken bringen. Und zur Bewegung.
Im Herbst 2009 war viel in Bewegung. Banken wankten. Werte verschoben sich. Sprache driftete. Künstler suchten neue Bilder. Wenzel reagierte nicht mit Lärm, sondern mit klarem Blick. Er sammelte Figuren und Floskeln, Rituale und Refrains. Dann setzte er sie neu zusammen. So entsteht eine Landkarte aus Liedern. Sie zeigt Risse in Fassaden. Sie markiert aber auch Wege hinweg über Gräben.
Das Ergebnis ist ein Kosmos aus 13 Stücken. Jedes hat sein eigenes Wetter. Jedes treibt die Platte anders voran. Mal prasselt die Ironie. Mal klirrt die Kälte der Realität. Dann scheint wieder Sonne. Alles fügt sich in einen roten Faden. Der Faden heißt Haltung.
Wenzel ist Musiker, Dichter, Theatermensch. Er kommt aus der Liedtradition, die brennt und nicht vergeht. Seine Lieder sind oft szenisch. Sie tragen Masken und zeigen Gesichter. Er liebt das Spiel mit Rollen. Er liebt die klare Kante. Er kennt die großen Vorbilder. Und er steht doch ganz bei sich selbst.
Vor diesem Hintergrund entlädt sich Wenzel König von Honolulu wie ein punktgenauer Schlag. Die Platte greift auf, was ihn stark macht. Sprache als Werkzeug. Musik als Motor. Humor als Schutzschild. Melancholie als Spiegel. Das alles wirkt verdichtet und frisch. Und selten beliebig.
Sie bekommen eine CD mit 13 Stücken und feinen Arrangements. Die Spielzeit ist üppig. Die Ideen sind dicht. Der Sound ist warm und handgemacht. Sie hören akustische Gitarren, Bläser, Akkordeon, Bass, Schlagzeug. Dazu kleine Farbflächen von Klavier und Geige. Nichts wirkt überladen. Vieles atmet. Das gibt Platz für Worte.
Das Album erschien am 2. Oktober 2009. Die Dramaturgie ist bewusst gesetzt. Es beginnt mit „Unterwürfiger Schlager“ (04:00). Es endet mit „Kamper Trinklied“ (04:23). Dazwischen steht ein wechselndes Tempo. Es gibt schnelle Stiche. Es gibt weite Bögen. Erst nach einigen Durchläufen zeigt sich die gesamte Form. Dann fällt auf, wie klug Wenzel König von Honolulu den Spannungsbogen baut.
Die Texte sind direkt. Die Sätze sind kurz. Die Bilder sind klar. Wenzel spießt Posen auf. Er liebt die kleinen Details. Ein Tattoo, das zu einem Zeitgeist wird. Ein Anruf, der Sehnsucht verschluckt. Ein Amt, das Geld zählt und Menschen vergisst. So werden Alltagsformen zu Masken. Und die Lieder ziehen diese Masken leicht an und wieder aus.
Satire kann hart sein. Hier bleibt sie menschlich. Wenzel zeigt Fehler und fragt nach Gründen. Er spottet, doch er hört zu. So entsteht eine Balance aus Biss und Güte. Gerade diese Balance trägt Wenzel König von Honolulu weit über reine Kabarett-Reflexe hinaus.
Musikalisch mischt die Platte viele kleine Quellen. Es gibt Folk-Riffs. Es gibt Polka-Antriebe. Es gibt Chanson-Farben. Hier ein Hauch Klezmer. Dort ein satter Groove. Ein Refrain packt die Hüfte. Eine Strophe flüstert ins Ohr. Diese Vielfalt wirkt nicht sprunghaft. Sie wirkt wie ein gut sortiertes Regal.
Die Band spielt eng. Die Arrangements führen Sie durch Räume. Eine Trompete setzt eine Pointe. Ein Akkordeon lockert die Schwere. Eine Gitarre erzählt im Off. Am Ende steht ein Klang, der live im Kopf stattfindet. So macht Wenzel König von Honolulu Lust auf Bühne und Saal.
Der Opener „Unterwürfiger Schlager“ knallt mit süßer Hülle. Der Text entlarvt die Masche. Es ist ein Tanz auf dem Draht. Leichtigkeit im Takt, Stachel im Wort. Danach weitet „Als wir kamen von Kentucky“ (05:00) den Raum. Das Lied zieht Spuren über Grenzen. Es malt Bilder von Herkunft und Reise. Das Tempo ist gemessen. Die Bilder sind groß.
„Sibirische Liebe“ (03:33) wirkt wie ein Wintermärchen. Karg und zärtlich. Der Groove bleibt leise. Ein Akkordeon trägt das Bild. Dann kommt der Titelsong „König Von Honolulu“ (03:52). Er ist der Knotenpunkt. Er singt vom Schein und vom Recht auf Träume. Er klingt heiter. Doch die Fragen darunter sind ernst. In dieser Spannung leuchtet die Platte. Genau hier verdichtet sich Wenzel König von Honolulu zu einer Figur, die Ihnen vertraut und seltsam bleibt.
„Arschgeweih“ (06:34) ist länger und frecher. Das Lied seziert Körperbilder als Mode. Es zeigt, wie ein Zeichen kippt. Aus Stolz wird Klischee. Aus Freiheit wird Pflicht. Der Witz sitzt. Doch es bleibt ein Rest Trauer. Sie hören es in der Melodie. Auch „Der Fiskus“ (03:57) greift präzise zu. Geld ist hier System. Zahl ist mehr als Mensch. Der Text reibt, die Musik rennt. Das Stück hat Biss, aber keinen Zynismus. In beiden Nummern glänzt Wenzel König von Honolulu als Spiegel einer Gesellschaft im Kostüm.
„Ohne Dich“ (04:13) ist eine stille Wunde. Keine große Geste. Kein großes Jammern. Nur klare Worte, klarer Puls. So wirkt das Lied. Es bleibt. „Sibirische Liebe“ haben wir schon berührt. Zusammen zeigen beide Stücke die weiche Seite der Platte. So sehr sie auch stichelt. Sie kann sich die Stille leisten. Hier gewinnt Wenzel König von Honolulu sein Herz am stärksten zurück.
Warum Honolulu? Warum ein König? Beides klingt fern und doch nah. Der König steht für Wunsch und Würde. Honolulu für Ferne und Ferien. Zusammen wird daraus eine Maske. Sie schützt vor dem Ernst. Sie zeigt ihn aber auch schärfer. Dieser Trick zieht sich durch die Lieder. Rollen öffnen Räume. In ihnen darf die Wahrheit leichter gehen.
So funktioniert auch der Titelsong. Er baut eine Bühne im Kopf. Er lädt Ihre eigenen Bilder ein. Plötzlich sehen Sie die Krone und merken, sie passt auch Ihnen. Dieses Spiel ist freundlich. Es fordert Sie ohne Hieb. Es ist der elegante Kern von Wenzel König von Honolulu.
Wenzels Stimme ist rau und klar zugleich. Sie trägt ein Lachen, das ernst ist. Sie kennt den Bruch. Sie kann schleichen und sie kann springen. In vielen Stücken sitzt sie nah am Ohr. Dann wieder steht sie mitten im Saal. Das ist bewusst gesetzt. Die Aufnahme verlangt keine Tricks. Sie lebt von Handwerk und Haltung. Dieser Ton bleibt ehrlich. So trifft Wenzel König von Honolulu ohne Umweg.
Zur Präsenz gehört auch das Tempo der Sprache. Viele Reime sind schlicht. Einige Reime stolpern gewollt. Hier liegt Rhythmus. Hier liegt Sinn. Kleine Kanten geben Halt. In einer Zeit der glatten Sätze ist das ein Genuss.
Humor ist hier kein Schmierstoff. Er ist Werkzeug. Er nimmt Druck, ohne die Lage zu verharmlosen. Das ist schwer. Es gelingt durch genaues Hören und kluge Bilder. Jede Pointe zeigt eine Richtung. Danach bleibt Platz für Gefühl. Der Witz pfeift den Schmerz heran. Dann darf er sprechen.
Diese Mischung wirkt stark in „Kleine Peking Ente“ (03:57) und „Ruf mich an“ (04:33). Beide Songs erzählen vom Alltag. Und beide zeigen seine schiefe Lage. Nichts klingt verbittert. Nichts klingt kalt. Die Wärme gewinnt gegen den Spott. In dieser Haltung wurzelt die Kraft von Wenzel König von Honolulu.
Viele Stücke haben einen Sog. „Ahoi! Ahoi!“ (04:19) zieht mit Ruf und Chor. Hier lebt eine nautische Metapher. Sie winkt und sie sticht. „Matriarchat“ (04:09) dreht Rollenbilder. Es groovt und verführt. „Gebt mir Geld“ (04:29) treibt als Ohrwurm voran. Eine Hook wie ein Plakat. Doch nie sinkt das Niveau. Jede Hook hat einen Haken. An ihm hängt eine Frage.
Das macht die Platte tanzbar. Und doch bleibt sie Denkmusik. Ein seltener Spagat. Er gelingt, weil nichts gepresst wirkt. Die Band lässt Luft. Pausen dürfen stehen. So bekommt Wenzel König von Honolulu einen Körper. Man kann ihn hören. Und man kann ihn fühlen.
Wenzel ist über Jahre gewachsen. Er hat leise Alben. Er hat laute Phasen. Er hat Theaterprojekte. Er hat intime Songs. Dieses Album steht mittig. Es ist weder Rückzug noch Pose. Es ist ein Blick nach außen mit Herz nach innen. Die Produktion ist offen. Die Texte sind konzentriert. Das gibt der Platte ihr Gewicht.
Im Vergleich zu früheren Arbeiten wirkt die Sprache hier noch knapper. Weniger Verbeugung. Mehr Zugriff. Der musikalische Rahmen bleibt weit. Doch er ist klar geführt. Hier zeigt sich Reife ohne Staub. So behauptet sich Wenzel König von Honolulu im Werk als Markstein.
Die Platte verhandelt Formen, die viele kennen. Schlager, der gern gefällt. Kabarett, das gern sticht. Chanson, das gern erzählt. Wenzel dreht an den Rändern. Er nimmt den Schlager und macht ihn wach. Er nimmt den Spott und legt Wärme darunter. Er nimmt die Erzählung und gibt ihr Drive. So wird aus Tradition eine frische Sprache.
Das passt zur Zeit nach 2008. Viele wollten Antworten. Viele suchten Halt. Die Lieder geben keine Parolen. Sie bieten Bilder, Töne, Fragen. Das reicht oft weiter. Es bindet nicht kurz. Es bindet lang. So hält sich Wenzel König von Honolulu auch jenseits seines Erscheinungsjahres im Ohr.
Das Mastering bleibt moderat. Kein Lautheitskrieg. Es gibt Dynamik. Leise Stellen sind leise. Laute Stellen knallen, ohne zu schmerzen. Die Mitten tragen die Stimme. Die Bässe sind warm, nicht wummernd. Becken schimmern, schneiden aber nicht.
Der Raum ist greifbar. Manchmal stehen Sie fast im Studio. Man hört Finger an Saiten. Man hört Luft im Balg. Das schafft Nähe. Es passt zur Textarbeit. Wörter brauchen Raum. Hier bekommen sie ihn. So gewinnt Wenzel König von Honolulu auch auf einer guten Anlage noch einmal Tiefe.
Es gibt viele Wege in diese Welt. Sie können mit den schnellen Nummern starten. Sie können mit den Balladen beginnen. Oder Sie gehen strikt der Reihenfolge entlang. Der Bogen ist klug gebaut. Der Opener setzt die These. Die Mitte vertieft. Das Ende lässt Sie mit einem Lachen, das denkt.
Nehmen Sie die Texte mit offenen Ohren. Hören Sie auf die tastenden Momente. Scheuen Sie sich nicht vor Wiederholungen. Einige Lieder zeigen erst später ihren Kern. Gerade dann, wenn eine Pointe beim zweiten Hören kippt. Genau dort leuchtet Wenzel König von Honolulu am hellsten.
Seit 2009 hat sich vieles geändert. Einiges blieb. Geltungssucht blieb. Bürokratie blieb. Sehnsucht blieb. Dieses Album zeigt, wie Kunst darauf reagiert. Es verknüpft Empathie und Kritik. Es schafft Nähe, wo Debatten oft trennen. Es lädt zum Gespräch, nicht zum Urteil ein. Das macht es heute wertvoll.
In Playlists mit Tempo passt es. In stillen Abenden wirkt es. Auf der Bühne trägt es. Im Kopf arbeitet es weiter. Deshalb hat Wenzel König von Honolulu keine Ablaufzeit. Es ist ein Album mit Erfahrung und Hunger.
Auch ohne direkte Zitate lässt sich der Ton erfassen. Viele Bilder arbeiten mit Gegensätzen. Wärme trifft Kälte. Nähe trifft Distanz. Pracht trifft Alltag. Aus solchen Paaren entstehen Reibungen. Die Musik fängt sie ein. Der Text lenkt sie. Das ist die Handschrift von Wenzel.
Man merkt auch die Lust am Rhythmus. Silben kicken, reiben, rollen. Reimketten bleiben kurz. Dafür sitzen sie präzise. Das Ohr lernt die Struktur. Der Sinn folgt. So baut Wenzel König von Honolulu ein sprachliches Netz, das trägt und fängt.
Von „Unterwürfiger Schlager“ über „Als wir kamen von Kentucky“ bis „Sibirische Liebe“ führt ein Bogen in den Titel „König Von Honolulu“. Danach folgen der lange Atem von „Arschgeweih“, die Stakkato-Kritik von „Der Fiskus“ und die leichtfüßige Figur der „Kleine Peking Ente“. „Ruf mich an“ und „Matriarchat“ schieben den Puls. „Ahoi! Ahoi!“ schafft Luft und Chor. „Ohne Dich“ nimmt das Tempo heraus. „Gebt mir Geld“ wirft die Systemfrage. „Kamper Trinklied“ schließt mit einem Grinsen und einem Blick zurück. So liest sich die Liste als Reise. Sie ist rund. Sie ist offen. Und sie ruft nach dem nächsten Durchlauf von Wenzel König von Honolulu.
Kein Werk ist ohne Ecken. Einige Refrains setzen stark auf Wiederholung. Das kann man lieben. Das kann man ermüden. Manchmal schiebt die Polka zu sehr nach vorn. Ein Hauch weniger Druck täte gut. Und doch: Diese Momente bleiben selten. Sie brechen nichts. Sie zeigen eher Mut zur Kante.
Die Stärken überwiegen klar. Sprache und Sound greifen ineinander. Humor und Schmerz halten sich in Balance. Die Band bleibt nah am Material. Die Produktion lässt Raum. Hinter allem steht ein Autor mit Blick und Ohr. Darum trägt Wenzel König von Honolulu als Ganzes.
Dieses Album macht keine großen Thesen. Es macht starke Bilder. Es verspricht keine Rettung. Es bietet Trost im Denken. Es belehrt nicht. Es lädt ein. Wer hört, hört sich mit. Wer lacht, lacht klug. Wer tanzt, tanzt nicht allein. So wirkt ein Album, das bleibt.
Wenn Sie Lust auf scharfes Wort und warme Musik haben, sind Sie hier richtig. Wenn Sie Humor als Haltung sehen, noch mehr. Wenn Sie Chanson, Folk und feine Satire lieben, sowieso. Legen Sie die Platte auf. Geben Sie ihr Zeit. Und steigen Sie ein in die Reise von Wenzel König von Honolulu.
Das Album "König von Honolulu" von Wenzel bietet eine faszinierende Mischung aus tiefgründigen Texten und eingängigen Melodien. Wenzel, bekannt für seine poetischen und oft gesellschaftskritischen Lieder, zeigt auch in diesem Werk seine Vielseitigkeit und sein Talent als Liedermacher. Die Lieder auf diesem Album sind sowohl musikalisch als auch lyrisch beeindruckend und laden zum Nachdenken ein.
Ein weiteres bemerkenswertes Werk von Wenzel ist das Album "Wenzel Selbstbildnis 1981". Auch hier zeigt sich seine Fähigkeit, persönliche und politische Themen auf eindrucksvolle Weise zu verbinden. Die kritische Vorstellung dieses Albums bietet einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt des Künstlers und seine musikalische Entwicklung.
Wenn du mehr über Wenzels Live-Auftritte erfahren möchtest, empfehle ich dir einen Blick auf das "Wenzel Jubiläumskonzert - Wenzel & Gäste live im Admiralspalast". Dieses Konzert zeigt die Energie und Leidenschaft, die Wenzel auf der Bühne ausstrahlt. Es ist ein Muss für jeden Fan und bietet eine großartige Gelegenheit, seine Musik in einem anderen Kontext zu erleben.
Ein weiteres Album, das du nicht verpassen solltest, ist "Wenzel Seit ich am Meer bin". Diese kritische Albumvorstellung beleuchtet die Themen und musikalischen Elemente, die dieses Werk so besonders machen. Es zeigt Wenzels Fähigkeit, Geschichten zu erzählen und Emotionen durch seine Musik zu vermitteln.